Mit Büchern verbindet man im Allgemeinen etwas Romantisches. Dieser besondere Geruch, das Geräusch der Seiten beim Umblättern, das Abtauchen in andere Welten und die Erfahrung etwas Neues gelernt zu haben.
Dem gegenüber steht das knallharte Wirtschaftsdenken der Verlage, denen die Leser im Normalfall völlig egal sind. Hauptsache der Umsatz stimmt. Das ganze wird dann verkauft als "Wir wissen doch was der Leser will". Das stimmt tatsächlich, es gibt eine repräsentative Umfrage zum Leserverhalten in Deutschland.
Die war sogar recht gut und ausführlich... nur
war sie das. Denn die Umfrage ist vom Anfang der 80er Jahre. Auf diese Zahlen und Erfahrungen "vertraut" man noch heute. Als Genrefan kennt man dieses Geschäftsgebaren nur zu gut, da werden Serien begonnen aber nie zu Ende geführt und aus dem Dreiteiler in der Orginalausgabe mal schnell nen Sechsteiler gemacht = doppelter Gewinn. Weil die Lizenzen für das Orginalcover zu teuer ist (Wen interessiert denn schon, dass die Darstellung was mit dem Inhalt zu tun hat?!) wird irgend ein billiger Schund aussen drauf geklatscht. Fantasy?! Ach ja, Frau in Tanga mit dicken Titen, daneben der Held mit Schwert. Angeblich verkauft sich das sonst nicht, der Leser will das ja so.
Daniel Junker
verlinkt auf ein interessantes
Interview in dem es um die Buchkette Thalia geht, eine der ganz Grossen im Geschäft. Die möchte - so lauten die Gerüchte -, dass die Verlage sich am Umbau der Geschäfte finanziell beteiligen. Das Deutschlandradio hat dazu den Geschäftsführer befragt.
Daniel fordert zu Recht den Erhalt der unabhängigen lokalen Buchhandlungen, den ich nur zu gerne unterstützen würde, nur haben die grossen Ketten einen echten Vorteil. Der liegt gar nicht mal im grösseren Sortiment, der lokale Buchhändler besorgt mir fast alles auf Bestellung. Der Vorteil der grossen Ketten ist ihr Service oder besser gesagt, die Neutralität mit der ich ein Buch kaufen kann.
Viele der kleine Buchläden, lassen einen als Kunden auch gleich spüren, dass man die heiligen Hallen des Intellekts betreten hat und man sich nun als würdig für diese geistige Nahrung erweisen muss. Schaut man in ihre Genre Ecke SF/Fantasy (wenn vorhanden), kommen einem als Fan die Tränen. Lieblos zusammengestückelte Bände aus zufälligen Serien stehen in irgendeinem Drehständer gleich bei den Nackenbeisser-Romanen (=Liebesromane), die Cover vom ewigen Rein und Raus vollkommen verknickt und unansehnlich.
Im Orginal ?! Vollkommene Fehlanzeige oder zum dreifachen Preis.
Fragt man dann nett nach, bekommt man bestenfalls einen abfälligen Blick und der Verkäufer lässt sich herab das Buch zu bestellen. Gerne genutzt wird aber auch das "gibt es nicht" ohne auch nur einen Blick in die Datenbank zu werfen. In der Kette ist man häufig besser sortiert. Nicht unbedingt grösser in der Auswahl, aber man hat verstanden, dass die Zahlen auf dem Einband der Bücher eine Bedeutung haben. Die Bestellung eines deutschen wie einer Orginalausgabe wird mit der gleichen Freundlichkeit entgegen genommen, wie Schillers gesammelte Werke. Warum geht das nur da? Selbstverständlich gibt es dort auch eine Ecke, in der ich mich hinsetzen und in Ruhe das Buch prüfen kann. Wer will schon die Katze im Sack kaufen?
Liebe kleinen Buchhändler, auch wenn wir "nur" sogenannte "Unterhaltungsliteratur" lesen, wir sind Kunden und zwar ziemlich gute und vor allem treue. Wenn ihr keine Ahnung von dem Genre habt ist das kein Makel, für den man sich schämem muss oder gar mit Unhöflichkeit verdecken.
Fragt den Kunden, der sich damit auskennt. Er wird sich mit Sicherheit freuen Auskunft zu geben und weiter helfen. Ganz nebenher wird er das seinen Freunden erzählen, die dann kommen und... genau! noch mehr Bücher kaufen.
Im gleichen Artikel verweist Daniel auch noch auf einen Eintrag bei
Netbib, der die seltsamen Methoden des Fischer-Verlages gegen über seinen Autoren ans Licht bringt.
Deutsche Autoren habe es schwer, knapp 80% des deutschen Marktes werden von Lizenzen internationaler Ausgaben bestritten. Da ist es schwer für einen deutschen Autor überhaupt eine Nische zu finden. Der Fischer Verlag hat da eine
sehr kreative Lücke gefunden, wie man dieses Risiko noch mehr minimieren kann.