Eine der eher selten gewordenen grossen Produktionen der ARD lief zu Ostern als Zweiteiler über den Bildschirm. Die Lebensgeschichte des
Klaus Störtebeker. Als Piraten- und Genrefan war das Anschauen natürlich Pflicht.
Über das wahre Leben des
Störtebeker ist bis auf historische Fragmente relativ wenig bekannt. Auf so einen Boden wachsen Geschichte und Legenden besonders gut und so wurde aus Klaus schnell eine Art deutscher Robin Hood auf dem Wasser.
Diese Robin Hood Geschichte musste auch der Regisseur im Hinterkopf gehabt haben und so klaute er beim legendären Costner Vorbild was das Zeug hielt: Marian, Bruder Tuk und der böse Sheriff. Gut geklaut muss nicht unbedingt schlecht sein, aber so richtig hatte
Miguel Alexandre die Kopie nicht drauf.
Der Zweiteiler machte seinen Namen auch alle Ehre. So dümpelt der erste Teil eher langweilig vor sich hin und erstreckt die wenigen historisch bekannten Tatsachen auf über 90 Minuten ohne das viel passiert und Störtebeker endlich Pirat werden darf. Der zweite Teil ist deutlich unterhaltsamer und actionreicher, ordentliches Popkorn-Kino ohne Höhen und Tiefen ... bis Herr Alexandre das Ende der Art versaut hat, dass ein fader Nachgeschmack blieb. Die bekannteste Geschichte um die Likedeelers ist die von Störtebekers Hinrichtung:
Am 20. Oktober 1401 sollten 70 Mannen in Hamburg geköpft werden, darunter Störtebeker. Doch, so die Legende, Störtebeker wurde gestattet, dass alle die Männer überleben durften, an denen er nach seiner Enthauptung noch vorbeigehen kann. An elf seiner Männer schritt Störtebeker dann vorbei, bis ihm der Henker seinen Richtblock vor die Beine warf.
Diese Gänsehaut-Erzählung die man locker als ein "Freiheit!" a la Braveheart hätte inszenieren können, wird in knapp 1 Minuter vollkommen lieblos nach der eigentlichen Handlung erzählt.
Genre-Mäkeleien:
Die Schaupläze zum Teil sehr schön (das alte Hamburg), ebenso das nachgebaute Dorf. Genervt haben die CGI Szenen auf dem Meer, da geht einfach nichts über ein echtes Schiff auf dem Wasser. Die Kampfszenen waren sauber choreographiert, auch wenn der Stunt-Koordinator bei einigen Szenen etwas zu viel
Shaw Brothers geschaut hat. Die Kostüme waren hübsch, wenn auch nicht historisch und bis auf ein zwei Mal blieb einem der Blick auf die hohen Absätze der Hauptdarstellerin erspart.
Rüstung und Waffen... reden wir bitte nicht drüber. Ein wildes Durcheinander (Ausverkauf im Lager?) kombiniert mit sinnlosen Fantasy-Leder-Lappen.
Fazit: Klaus hätte besseres verdient gehabt.
weren Godes vrende
unde al der werlt vyande