Freitag:
Ohne Urlaub am Freitag konnten wir erst gegen 18:30 Uhr in Richtung Leipzig aufbrechen, dank unzähliger Staus (Besonders schön das Schild an der AB:
Wir bauen für sie bis 2010. 7km Autobahn Da fragt man sich was sie den Rest der Zeit machen...) und noch mehr Baustellen in Richtung Osten errreichte unsere Galactica erst um 22:30 das Ziel... um dann erstmal das falsche Hotel anzufahren, denn Leipzig hat zwei Mercure Hotels und unseres ist am
Johannisplatz. Schnell die Koffer ins Zimmer gebracht und ab in die bekannte Linie 11 Richtung Agra, um die Eintrittskarten gegen die Festivalbändchen einzutauschen. Eigentlich hatte ich befürchtet, dass die Kasse nach 23 Uhr schon geschlossen ist, aber als wir gegen halb Zwölf endlich ankommen begrüsste uns eine lange Schlange vor der Kasse in die wir uns gleich einreihten, nicht ohne vorher das erste Festivalbier zu holen. Nach dem letzten "Stau" dieses Abends ging es gleich rüber in die Halle 2, die gerammelt voll war. Wir erduldeten Lacrimosa, um auf den Headliner des Abends zu warten. Nach 20 Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne:
Nitzer Ebb. Trotz der langen Pause war da keine Spur von Müdigkeit zu hören. Hit um Hit bewegte die Massen vor der Bühne wobei der Alterdurchschnitt der Besucher in der Halle deutlich Ende 20/ Anfang 30 war. Irgendwann am frühen Morgen ging es dann wieder heim ins Hotel, um total übernächtigt ins Bett zu fallen.
Samstag:
Glücklicherweise hatte das Hotel am Pfingstwochenende seine Frühstückszeiten bis 12 Uhr verlängert, so konnten wir ohne Hektik ausschlafen und dann das Buffet erkunden. Nichts rettet mir den Morgen so sehr nach einer durchzechten Nacht wie ein ordentliches Rührei und genau das gab es auch auf dem üppigen Frühstücksbuffet. Neben "normalen" Besuchern waren auch zahlreiche Bands im Mercure abgestiegen. So habe ich es dieses Jahr zwar wieder verpasst
Omnia im heidnischen Dorf zu sehen, konnte aber so jeden morgen mit ihnen frühstücken.
Nachmittags hatten wir uns mit
Tim verabredet und bummelten gemütlich an den Ständen des heidnischen Dorfes vorbei. Zwischen all den Händlern entdeckten wir dann auch Markus von
Rota Temporis, der auch fror...
Auf dem heutigen Programm stand erstmal der
Anker (dieses Jahr mit funktionierdem Bierausschank) und Neofolk. Auf der Bühne standen (saßen) schon Son Ver. Schöne ruhige Musik: Gitarre und Cello, die ich mir noch mal in Ruhe im Sessel anhören werde.
Als nächstes betraten
Parzival die Bühne. Frau Cynx hatte sie vor drei Jahren schon mal gesehen und beschrieb sie als "lustig". Geboten bekam man eine Mischung aus: Laibach meets Kreuzritter meets Wagner meets Conan... und sie hatten Flügelhelme auf! Das Ganze dann gekrönt mit unfreiwillig komisch deutschen Texten. Eines meiner Highlights des Wochenendes.
Auf die nächste Band des Abends
Neutral war ich sehr gespannt denn ihre CD "Luisenkirche, Königsberg" gehört mit zu meinen Lieblingen in Sachen Neofolk. Live wussten sie aber nicht wirklich zu überzeugen. Die Musik plätscherte dahin und war sehr "neutral", um nicht zu sagen langweilig. Da wir an diesem Abend auch noch in die Agra wollten war es nun Zeit zu gehen und dank eines netten Shuttledienstes musste man nicht mal in der Kälte auf die S-Bahn warten. So konnten wir noch die letzten Songs von
Cat rapes Dog hören, um dann
VNV Nation auf der Bühne zu erwarten. Ja ja, ich weiß... Weiberelectro, aber VNV hat irgendwas besonderes, gerade live. Genau das war auch dieses Jahr wieder zu erleben, eine Halle die tanzte, jubelte und klatschte. Den Set fand ich im Gegensatz zu Frankfurt letztes Jahr allerdings etwas schlechter, vor allem da Honour auf der Playlist fehlte. Leider schwächelte Frau Cynx nach dem Konzert und so konnten wir uns One Two nicht mehr anschauen. Die Frontfrau von Propaganda und der zweite Mann von OMD haben aber nach Zeugenaussagen ein gelungenes Konzert hingelegt, wo keiner ihrer Hits gefehlt hat.
Sonntag:
Ausschlafen und es noch knapp zum Frühstück schaffen. Längere Shopping-Tour durch die Messehallen und dann start in das musikalische Programm. Genrewechsel zum Industrial im
Werk II: Maschinenkrieger KR52 vs. Disraptor (krachig), Neotek (langweilig), S.K.E.T. (gut, aber nur mit einem Ohr gehört, weil wir gerade gegessen haben). Erneuter Genrewechsel zu Neofolk.
Orplid gibt so gut wie keine Konzerte, aber in der Krypta des
Völkerschlachtdenkmals wollten sie dieses Jahr eine Ausnahme machen. Natürlich kamen zu so einem Ereignis mehr Besucher als "normal" und so war die Krypta schnell voll und man wurde auf die oberen Balustraden geleitet. Die Krypta war zwar stimmungsvoll ausgeleuchtet, aber das nahm einem nichts von der Kälte in der Halle (und es will was heissen, wenn ich friere). Dazu noch dieses aggressive Fotoverbot wie so oft auf Neofolk-Konzerten, was die Stimmung nicht verbesserte. Mit leichter Verspätung begann dann das Konzert.. glaube ich jedenfalls denn der Sound war so unglaublich schlecht, dass man kein Wort verstehen konnte und die Musik in einem dumpfen Sumpf unterging. Nach einigen Stücken wurde da Konzert für eine Dichterlesung unterbrochen. Wer das war kann ich leider auch nicht sagen, da man auch das nicht verstanden hat. Der Sound wurde im Laufe der Lesung zwar besser, aber das was er da inhaltlich von sich gegeben hat nicht. Eine strange Mischung aus Erzählung und Lyrik, die inhaltlich einen intellektuellen Grund suchte warum Deutschland zu Recht immer jammert und zu war grösserem berufen ist... dazu ne Menge historischer Fehler (die Schlacht war nicht im Teutoburger Wald und Faschismus hat nicht immer zwingend etwas mit Nationalismus zu tun, drum sind es ja auch zwei Begriffe). All das reichte, um den Ort dann doch früher zu verlassen und wieder zum Werk II zu fahren. Gute Musik, dazu noch eine warme Halle: Perfekt. Von
Implant bekamen wir noch den letzten Song akustisch mit und so weiß ich nicht ob
Anne Clark tatsächlich auf der Bühne stand.
Proyecto Mirage entpuppte sich als weiteres unbekanntes Highlight des Wochenendes. Irgendwo zwischen Atari Teenage Riot und Techno liessen die beiden Belgier es ordentlich krachen und wenn einem die Frontfrau Alicia mit dem Megaphon "Drill my cunt" entgegen brüllt, weiß man auch wieso das ganze auch Digital
Hardcore genannt wird. Wieder Zeit für einen Ortswechsel und das dachten nicht nur wir uns..
Deine Lakaien baten zum Abendkonzert und unglaublich viele kamen. Ohne ein wirklicher Lakaien-Fan zu sein, ist das glaube ich die Band die ich mit am häufigsten live gesehen habe. Diesmal haben sie mich aber enttäuscht, das ganze wurde als "Überraschungs-Set" angekündigt und das war es auch.. überraschend langweilig und lahm. Wir setzen (Sitzen! Es ist ja sooo schön mal sitzen zu können!) in den hinteren Teil der Halle und liessen das Konzert an uns vorbeigleiten.
Im Gegensatz zu den ganzen Elektrobands im Werk II gab es nun eine "echte" Umbaupause. Da wurden Drums aufgebaut, Gitarren gestimmt und das Micro getestet. Mal was ganz anderes als Apple raus, Apple rein.
Moi dix Mois betraten die Bühne und rockten finster durch die Nacht. Japanischer Black-Metal ohne Grunz-Gesang in wenigen Worten, aber richtig gut. Wieder was für die CD-Liste.
Montag:
Nach einem ruhigen Vormittag fuhren wir zu einer der neuen Locations des WGTs, dem
Kohlrabizirkus auf dem alten Messegelände. Wir waren in erster Linie skeptisch, da die letzten "neue" Locations wenig erfreulich waren und so erwarteten wir auch hier einen kleinen stickigen Schuppen am Rande der Stadt... doch weit gefehlt. Die Halle ist sehr groß, hat ausreichend sanitäre Anlagen und sogar ne Gaderobe, dazu eine gute Akustik (wohl aber erst ab Montag) und eine von allen Seiten gut einsehbare Bühne. Schnell wurde klar, dass wir uns von hier nicht wegbegeben würden und so
Kirlian Camera und
:of the wand and the moon ohne uns auskommen mussten.
Die Playlist:
Reaper (D) - verpasst
Violent Entity - Old School EBM.. der Pogo nahm den Lauf
Glis - Fetzig, das wird nen durchgetanzter Abend werden..
Tactical Sekt - G E N I A L, die Füsse qualmen langsam.
God Module - Etwas eintönig, aber es war eh Zeit für ne Erholungspause.
Sonar - Knackiger Industrial und Frau Cynx tanzt sich in Trance.
Mittlerweile war auch der riesige Zirkus gerammelt voll und an der Tür wurden wohl einige Gäste wieder abgewiesen, da die Kapazitäten ausgelastet waren.
Feindflug Die Band hat auf jedenfall ein Händchen für Merchandise und dürfte wohl der am häufigsten zu lesende Schriftzug auf Klamotten jeder Art gewesen sein. Wie zu erwarten ein brachiales Konzert mit einigen netten Szenen auf der Bühne (ein feuerndes FLAK-Geschütz bei
Stukas und eine Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl). Düster, gewaltig, gut.
And One - Was soll man zu der Band noch groß schreiben, sehr gutes Konzert, beste Stimmung, ein gelungener Abschluß des WGT 2006.
Am Dienstag ging es dann wieder auf den Heimweg und die Staus waren auch alle noch da. Wir sehen uns in 351 Tagen...