Als Heyne vor einigen Jahren drei Bücher von Stan Nichols nahm und das Cover
Die Orks draufklebte, haben sie nicht geahnt was sie damit auslösten. Das Buch verkaufte sich gut (obwohl es IMHO weder was mit Orks zu tun hat, noch gut ist) und der Markt wollte mehr dieser Fantasy-Rassenromane. Dieser Bedarf erwies sich als Glücksfall für den deutschen Fantasymarkt, denn nun waren deutsche Auftragsautoren gefragt. Der deutsche Buchmarkt wird zu 80% mit Lizenzen bedient, im Bereich Fantasy ist die Quote wahrscheinlich sogar bei 99.9% (sieht man von DSA und Shadowrun-Lizenzen ab), um so schwieriger ist es in einem Randgenre eine Chance zu erhalten.
Der Erfolg gab Heyne recht, denn
Die Elfen von Bernhard Hennen oder
Die Zwerge von Markus Heitz (beide mit Folgeromanen) sind eigenständige Werke geworden, die sich nicht hinter amerikanischen Lizenzen verstecken müssen. Der jüngste Roman der Serie ist
Die Trolle von Christoph
Hardebusch.
Mit den Trollen hat Christoph keine Sympathen als "Auftagsrasse" bekommen. Anders als bei Elfen, Zwergen oder Orks gibt es wohl kaum einen Leser, der spontan in Schwärmerei bei Trollen verfällt. Kann man solche Wesen überhaupt zu sympathischen Handlungsträgern machen ohne sie zu Kuscheltrollen verkommen zu lassen? Genau das ist Christoph ausgezeichnet gelungen: die Trolle bleiben brutal, fremd und glaubwürdig, aber ihre Motivation ist sympathisch und man fühlt als Leser mit ihnen, auch wenn sie selber nie sympathisch werden. Genau so geht es auch dem eigentlich Handlungsträger Sten, der die Trolle auf ihren Abenteuer begleitet und als Identifikationsfigur für den Leser dient. Der ehemalige Adelige und (erfolglose) Rebellenührer wird erst von den Trollen als Geisel genommen, aber ihre Beziehung zu einander wandelt sich mit der Zeit bis fast hin (Zweck-) Freundschaft. Was als Bedrohung des Lebensraum der Trolle startet entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einem weitem Geflecht aus Verrat und Machtspielen nicht nur in der Welt der Trolle und bleibt spannend bis zur letzten Seite.
Besonders gut hat mir gefallen, dass durch die Namenswahl und die Beschreibung der Bevölkerung/Länder in meinem Kopf russisch/slawisches Setting entstanden ist, was eine willkommene Abwechslung zum Einheitsfantasy-Mittelalter war. Keine Ahnung ob das so beabsichtigt war, aber sowas würde ich gerne mehr lesen.
Fazit: Ein spannender Fantasyroman, den ich bedenkenlos weiterempfehlen kann. Sprachlich hätte ich mir manchmal etwas weniger Adjektive gewünscht, das ist aber vielleicht auch Geschmackssache. Die guten Verkaufszahlen des ersten Buches, lassen auf einen Folgeband hoffen oder vielleicht sogar die Chance auf ein "Nichtauftragsbuch". Beides wäre mehr als wünschenswert und ich freue mich auf weitere Bücher von Christoph.
Die Trolle.
von Christoph Hardebusch