Gerade wieder gefunden, dass muss so 2000 entstanden sein:
Mein Konversationsbed?iss bewegt sich ungef? auf dem Level eines M?es mit Schweigegel?, wenn ich bei 37 Grad im Schatten, bis unter die Achselhaare bepackt mit Einkaufst?, aus der Rathauspassage in die Innenstadt-Fu??erzone torkele. Shopping m?t bei mir in sprachlose ggression, hart an der Grenze zur Psychose.
Deswegen ist das ganz, ganz gef?lich f?en flyerbepackten jungen Mann, mich in dieser Situation st?ster physischer Anspannung mit den Worten an zu sprechen:
“Glauben Sie eigentlich an ein Leben nach dem Tod ?”
“Guter Mann”, antworte ich genervt freundlich, “im Augenblick bin ich mir nicht einmal sicher, ob es ein Leben vor dem Tod gibt.”
F?eine pers?che Sichtweise zu elementaren Fragen scheint mein st?ig l?elnder Gegen? allerdings wenig Interesse zu zeigen, denn unbeirrt f?t er fort:
“Unsere spirituelle Gemeinschaft bietet Ihnen Lebenshilfe, Entlastung und Neuorientierung in einer orientierungslosen Zeit.”
Das klingt vern?ig und so frage ich: “Das hei?, wenn ich eurem Verein beitrete, stellt sich einer f?ich samstags stundenlang an Fleisch-, Wurst- und K?theken an, verplempert seine Zeit in endlosen nach Schwei?und billigem Deo m?lnden Kassenschlangen und schleppt das Zeug in meine Wohnung ?”
“Nein eigentlich nicht.”
“Dann kommen wir nicht ins Gesch?.” will ich den kleinen Dialog beenden, rechne aber nicht damit, da?mein Gespr?spartner nicht nur hartn?ig, sondern auch recht flink ist, denn hurtig h? er in meinen beabsichtigten Gehweg und bietet an:
“Darf ich Ihnen denn unsere Informationsbrosch?in die Hand dr?n ?”
Meine linke Augenbraue beginnt zu zucken. Das tut sie immer dann, wenn ich das dringende Bed?is versp? spontan zu t?. Ich habe mich unter Kontrolle, ich habe mich unter Kontrolle, ich habe mich unter Kontrolle … noch.
“Sagen Sie, Ihre spirituelle Gemeinschaft glaubt nicht zuf?ig an die indische G?n Kali?”
“Nein,”, so die verbl?e Antwort, “wie kommen Sie darauf ?”
Ich erkl? es ihm: “Sehen Sie, Kali ist die Gottheit mit den vielen Armen. Wenn diese, wie ich gerade - f?schwere Einkaufst? zu transportieren h?e, w? die Chance gro? bei ihr noch eine freie Hand f?ine Infobrosch?zu finden. Da ich aber nur ? zwei obere Extremit?n verf? und Sie offensichtlich keine n?re Verbindung zu Kali pflegen, halte ich Ihren Vorschlag mit der Brosch?f?icht akzeptabel.”
Den letzten Satz artikuliere ich bereits sehr scharf. Au?rdem zuckt nun auch meine rechte Augenbraue. Doch der Bursche l? nicht locker:
“Ich k?e Ihnen die Brosch?doch in eine T?legen.”
Jetzt schreie ich: “Wenn ich hier auch nur einen Zettel Ihres Vereins auf meinem Frischk?becherchen finde, dann werden Sie sich - -eher als Ihnen lieb ist - selbst davon ?zeugen k?n, ob es ein Leben nach dem Tod gibt.”
Ich habe mich selbst schon einmal im Spiegel beobachtet. Daher wei?ich, wie ich aussehe, wenn tiefrote ?erchen das Wei?meiner weit aufgerissenen Augen durchziehen, mir der Aggressionsseiber aus den Mundwinkeln tropft, die Stirn meines hochroten Kopfes pulsiert und meine Stimmgewalt selbst Placido Domingo auf das Lautst?e - Niveau eines Wiener S?erknaben reduziert. Der junge Mann zerbr?t innerlich. Jetzt kriegt er den Rest.
“Los, zeigen Sie mir Ihre linke Hand !” herrsche ich ihn an.
Widerspruchslos zitternd reicht er sie. “Verbietet Ihre Glaubensgemeinschaft die Benutzung von Wasser aus religi? Gr?n oder betreiben Sie unter den Fingern?ln Ackerbau ?”, lege ich nach.
Er kann nur noch den Kopf sch?ln.
“So, ich werde Ihnen jetzt aus der Hand lesen. Sehen Sie diese drei Linien ?”
V?g versch?ert nickt er. Das macht Spa?
“Die mittlere ist Ihre Lebenslinie. Hoppla, was mu?ich da sehen, die endet ja in 30 Sekunden !”
W?end der junge Mann in Richtung s?ches Stadttor davon rennt, verliert er ein paar seiner Flyer.
Ich f? mich jetzt schon viel besser. Vielleicht kaufe ich mir noch ein paar Schuhe.