Donnerstag, 10. März 2005
OTZ
Auf Schloss Burgk beginnen Vorbereitungen für eine Zeitreise
Von OTZ-Redakteur Uli Drescher Burgk.
Die Vorbereitungen des Mitteldeutschen Rundfunks für eine Reise ins Mittelalter von zehn Freiwilligen aus ganz Deutschland auf Schloss Burgk gehen in die Endphase. Gestern drehte der MDR für die heutige Sendung "Hier ab vier" einige Szenen im verschneiten Innenhof mit zwei der Bewerber, die beim Casting in die Endauswahl gekommen sind. Nach Ostern beginnen die Umbauarbeiten, denn für eine Reise ins Mittelalter müssen Lichtschalter, Kabel, Schautafeln und andere Errungenschaften der Neuzeit verschwinden oder kaschiert werden. Außerdem wird planmäßig eine Zugbrücke eingebaut.
Studentin Christina Witt (23), und Danielo Korn (34), Familienvater im Erziehungsurlaub, haben es fast geschafft. Sie gehören zu jenen rund 15 000 Bewerbern, die vom 17. Mai bis zum 28. Juni komplett aus der Handy- und Konsum-Gesellschaft 2005 aussteigen und das Mittelalter live erleben wollen. Einer der Hauptgründe übrigens, die Bewerber zur Serie angaben. Gestern hatten sie aber noch die Gegenwart zu meistern in Form des MDR-Teams und mehrerer Einstellungen im Schlosshof, die x-mal wiederholt werden mussten. Eine riesige Ladung Schnee vom Dach hatte den Hof fast zugeschüttet und es schneite wie im Märchen. Christina hat Sorge, dass sie womöglich im Sommer hinter den dicken Schlossmauern auch so frieren wird, falls sie zu den Teilnehmern gehört.
MDR-Produktionsleiter Torsten Kramer wird sich nach Ostern in Burgk niederlassen, um die Vorbereitungen zu überwachen. Mit ihm kommt ein Team von rund 40 Mitarbeitern, die das Mittelalter auf Schloss Burgk organisieren. Kramer hätte sich selbst für so ein Abenteuer nicht beworben, gibt er gestern gegenüber OTZ unumwunden zu. Die sagenhaft hohe Bewerberzahl, die alle bisherigen derartigen Serien in den Schatten stellt, hat ihn deshalb auch überrascht. "Es haben sich Leute zwischen 15 und 85 Jahren beworben", berichtet der Produktionsleiter, obwohl es kein Honorar fürs Mitmachen gibt. Viele kamen schon aus gesundheitlichen Gründen nicht in die nähere Auswahl, sogar Herzkranke waren dabei und Allergiker. Gesiebt wurde zunächst mit einem Fragebogentest, nach dem immer noch 4 000 Bewerber zwischen 18 und 45 Jahren und 1 000 zwischen 45 und 65 Jahren übrig blieben.
Für die Schlossbesatzung braucht man nicht nur eine Hierarchie sondern auch einen Altersquerschnitt. Zu besetzten sind ein Burgvogt, ein Knappe und ein Küchenmeister sowie eine Gesindefamilie mit sieben Mitgliedern. Aus den 5 000 wurden durch Castings in großen deutschen Städten 60 Bewerber herausgefiltert, zwölf sind jetzt in der Endauswahl. Auch an Ersatz muss gedacht werden, denn es kann ja bis zum Drehbeginn jemand krank werden.
Im Gegensatz zur Gutshofserien "Abenteuer 1900" in Beelitz gibt es auf Schloss Burgk keine Schauspielerin im Team, die die Geschichte am Laufen hält. Auf den Burgvogt, der ein ausgewiesener Kenner des Mittelalters sein wird, kommt deshalb die Führungsrolle zu. Ansonsten werden die Aussteiger mit Aufgaben von den Fernsehmachern bedacht, müssen sich einrichten, einen Gemüse- und Kräutergarten bewirtschaften, schlachten und für ihre Ernährung sorgen. Sie haben keinerlei Kontakt zur Außenwelt. "Das einzige, was sie an 2005 erinnern wird, sind die Kameras, die nun mal nicht zu vermeiden sind", sagt Kramer. Gegen Neugierige wird ein Sichtschutz aufgebaut, das Schloss ist für den Besucherverkehr geschlossen. Nur acht Personen werden während der Dreharbeiten Kontakt mit den Burg(k)-Bewohnern haben - darunter auch ein Arzt und ein Psychologe in Bereitschaft. Nach dem Abenteuer Mittelalter wird das Produktionsteam die "Wiedereingliederung" der Zeitreisenden in die moderne Welt begleiten. "Wir werden sehen, wie sie zum ersten Mal nach sechs Wochen wieder einen Lichtschalter betätigen, den Fernseher einschalten oder sich ein Bad einlassen. Sie werden das bestimmt mit ganz anderen Gefühlen tun als wir jetzt und jeden Tag", vermutet Torsten Kramer schmunzelnd.
Im Fernsehen kann man das Abenteuer Mittelalter übrigens erst im Herbst erleben. Arte wird beginnen, zur Weihnachtszeit soll die Serie bei ARD laufen und im Frühjahr 2006 auf MDR, verrät der Produktionschef.