Der Focus (den ich ja sowieso als Bildzeitung für Pseudo-Intellektuelle bezeichne) schreibt in seiner
Online-Ausgabe:
Pharmakonzerne spielen nicht mit
Ein innovativer Schutz für Frauen vor Aids scheitert bisher daran, dass keine Pharmafirma klinische Tests durchführen will. Sie scheuen die Kosten.
Da regt sich Herbert am Stammtisch natürlich auf, die bösen Pharmafirmen! Nur wird Herbert wohl nie bis zu den wichtigen Zeilen kommen. Ein Stoff ist entdeckt worden, aber...
"Nun müssten aufwendige Tests an Patienten erfolgen. Denn bisher ist nicht klar, ob die Substanz bei Menschen tatsächlich Wirkung zeigt. In der Vergangenheit hatten einige Anti-HIV-Mikrobizide im Labor vielversprechende Ergebnisse erbracht, versagten dann aber am menschlichen Organismus."
Dass hier die Pharmafirmen erstmal die Bremse ziehen ist mehr als verständlich, denn was mit "aufwendigen Tests" beschrieben wurde, ist eine echte Untertreibung. Alleine für die klinische Studie eines funktionierenden! Medikaments sind fünf bis zehn Jahre nötig und Unmengen von Personal werden gebunden. Ärzte, Study Nurses, Monitore (begleiten die Studien auf Seiten der Pharmafirma), Laboranten, CROs (machen die statistischen Auswertungen der Studie)... von den Material- und Laborkosten mal ganz abgesehen. Eine Studie in diesem Bereich - eine Infektion zu verhindern - ist zu dem sehr schwierig, denn wie will man das Mittel an Menschen testen? Ihn mit Aids infizieren?! All dies ist für ein wirksames Mittel nötig und das liegt noch nicht vor.
Der Entdecker des neuen Stoffes sagt dazu:
„Die potenziellen Konsumenten eines Medikaments gegen HIV sind die ärmsten Menschen dieses Planeten“, sagte Olivier Hartley von der medizinischen Fakultät der Universität Genf. Er war an der Entwicklung des Wirkstoffs beteiligt. „Die Kaufkraft dieser Menschen ist gering, deshalb ist die Industrie nicht interessiert.“
So eine Creme ist mit Sicherheit nicht nur für die dritte Welt interessant, sondern auch in den Industrieländern und Bayer zeigt seit Jahren wie man mit Aspirin, einem Mittel zu dem es unendlich viele Generika gibt, bei einem geringen Preis immer noch viel Geld verdienen kann.
Enttäuschung über fehlende Fördergelder bei einem so wichtigen Thema ist berechtigt, falsche Schuldzuweisungen nicht.