Am Wochenende hatten wir eine kurze Diskussion über Religion. Weniger durch die Medien ausgelöst, sondern durch ein Rollenspiel. Dabei ging es insbesondere um die Hardcore-Atheisten, die der Meinung sind jede Weisheit schon zu kennen und den nächsten Level in der Intelligenz zu gefunden zu haben. Nur kurz: Nein habt ihr nicht, bedauerlicherweise seit ihr sogar dem Levelmonster zum Opfer gefallen, weil euch etwas entscheidendes fehlt.
(Elli hier also deine Argumentationshilfe für das nächste mal

)
Auf das was fehlt komme ich aber erst später. Ich will ja noch die Spannung halten

.
Der aufgeklärte Mensch der 1. Welt wundert sich von Zeit zu Zeit über das Wiedererstehen von Religion und Spiritualität und hält sie für eine Modebewegung. Ein typischer Fall von Selbstüberschätzung. Rein historisch und geographisch hat nämlich nur ein sehr kleiner Teil der Welt, ein spirituell befreites Weltbild. Für die meisten Menschen auf Erden sind die Dinge zwischen Himmel und Erde reiner Alltag, etwas greifbares und sie können nur bedauernd auf die Menschen schauen, denen diese Welt fehlt.
Rein demographisch ist dieser Atheismus die Modeerscheinung. Bohrt man bei diesen Menschen im Gespräch nach, wird schnell klar, daß ihnen nicht einmal der Unterschied zwischen
Atheisten und
Agnostiker bekannt ist. Wenn man dann noch anführt, daß es Weltreligionen gibt die selbst atheistisch sind (z.Bsp. Buddhismus und Taoismus) wackelt das sichere Podest der atheistischen Argumentation.
Daß Religion und Spiritualität etwas mit Glauben, also einem nicht beweisbaren Phänomen, in Verbindung gebracht wird, ist auch eine relativ späte Entwicklung. Klassisch haben ältere Religionen und spirituelle Themen (darunter fasse ich jetzt alles von Chi über Meditation, Extase bis schamanistische Techniken) nichts mit Glauben, sondern mit Erfahrung zu tun. Man hat eine Erfahrung gemacht in diesem Bereich und diese bringt einen dazu zu "glauben". Dummerweise kann man sie anderen Menschen nicht beweisen oder auch nur ansatzweise begreifbar machen. Ich kann niemanden erklären, wie sich ein Alkoholrausch anfühlt oder richtig guter Sex, wenn er diese Erfahrung nicht gemacht hat. Genau so verhält es sich auch mit einer spirituellen Erfahrung. Ich kann sie umschreiben, möglichst gut erklären, aber letztendlich muß er mir meine Umschreibung "glauben". Aber durch diesen "Glauben" verlieren Sex und Rotwein nicht ihre Existenz, sondern sind immer noch real. Genau so wie das Gefühl und meine Erfahrung real bleiben.
Man kann einwenden, daß man Alkohol im Blut messen kann und damit auch beweisen, daß Methanol existiert. Nur beweist und umschreibt dies immer noch nicht die Art meiner Erfahrung, sondern nur die Existenz des Auslösers.
Das Wort "Religion" selbst ist auch erst mit dem Christentum aufgekommen. In den Naturreligionen spricht man von "alter Sitte", weil es keine Glauben war, sondern Teil des täglichen Lebens. Die Ritualen waren fest im Lebensalltag verwurzelt, genau wie die Erfahrung die man in der spirituellen Welt gemacht hat.
Genau diese Erfahrung fehlt den Hardcore-Atheisten, sie verweigern sich dieser Erfahrung. Nur warum? Wird man dadurch ein unwissenschaftlicher Mensch und verliert seine Aufklärung? Eher im Gegenteil, die besten Naturwissenschaftler entwickeln genau diese Spiritualität am Höhepunkt ihrer Laufbahn.