Aber auch der Rest der Republik war bei sehr durchwachsenem Wetter unterwegs und wollte auch nach Leipzig. So brauchten wir für die knapp 350 km deutlich über sechs Stunden und kamen viel später als erwartet in Leipzig an. Staus, Staus und noch mals Staus. Die Laune wurde nur durch den VNV Nation Finest Hour von DJ Pitch Black im positiven Bereich gehalten. Unser Stützpunkt der nächsten Tage sollte das Telekom Tagungs-Hotel im Westen von Leipzig sein. Nichts spektakuläres, aber brauchbar. Insbesondere daß der Frühstückszeitraum über Pfingsten auf 10:30 verlängert wurde. Das Personal war nett, aber sehr unverbindlich. Warscheinlich war ihnen die schwarze Horde, die das Hotel ausgebucht hatte doch nicht ganz geheuer. Merkwürdig war allerdings, daß es in einem Telekom Hotel keinen öffentliches Inet-Terminal gab.
Ausgepackt und ab mit der Strassenbahn Richtung Agra-Gelände. Da war sie wieder die gute Linie 11, mit der man in den nächsten Tage noch so häufig durch Leipzig fahren würde. An der Agra angekommen hatten wir unseren Check-In Container schnell gefunden. Leider war der Pfingstbote, das Programm und die Jahres-CD schon nicht mehr erhätlich. Nachlieferung war unterwegs, aber auch die hatten wir im Laufe des Festivals verpasst. Nun hilft hoffentlich noch der Postweg.
Den Rest des Freitags wurde mit einigen Bieren und in netter Runde verbracht, bis wir zur offiziellen Eröffnung in die Halle gingen. Eröffnet wurde das WGT mit einer Tanz und Jonglage Darbietung, wobei mir erstmal der Mund offen stehen blieb, da die Jonglage vom alten
Follow-Kumpel Kevin gemacht wurde. Erster große Act des Abends war dann
Apotygma Bezerk bei sehr beschissenem Sound. Dieses Problem sollte sich durch alle Veranstaltungen in der Agra ziehen, daher war es ein Glück, das dies mein einziges Konzert in der Agra war. AB spielten ihre bekannte Mischung aus Klassikern und wenigen neuen Stücken. Aus meiner Sicht hat sich die Band überlebt, das neue Zeugs ist nur noch langweilig und poppig. Da Frau Cynx Erkältung langsam wieder durchbrach machten wir uns am Ede von AP auf den Weg ins Hotel.
Samstag:
Das Geräusch von rumlärmenden Pöbel riss mich relativ früh gegen Acht aus dem Schlaf. Da haben wohl einige durchgemacht und toben sich jetzt im Hotel Innenhof aus. Aber weitgefehlt, während die schwarzen Gäste ruhig und gelassen um Frühstück gingen, tobte im Innenhof irgend ein Trupp eines Seminars und benahm sich wie im Affenhaus. Gut gestärkt ging es zum ersten langen Konzerttag. Für uns stand
Neofolk auf dem Programm und damit der ganze Abend im
Anker. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ober der Anker wirklich ein Gewinn gegen über dem Haus Leipzig ist. Der Charme der alten DDR Jugendclub Tage war auf jedenfall noch an jeder Ecke spürbar. Zu dem war es am Samstag fast unmöglich ein Bier zu bekommen, da das Thekenpersonal sowohl mit der Technik als auch dem Andrang überfordert war. Die erste Band Inner Glory haben wir leider knapp verpasst und
Dark Wood eröffnete unser Konzert. Schön, aber nichts spektakuläres. Als nächstes stellten sich
In my rosary auf, die mir zu glatt daher kamen. Eine gute Gelegenheit Mr.
Zinnober Dominik am
Eislicht Stand zu begrüssen und den CD Stand zu scannen. Warum müssen so viele Neofolk Band auf Vinyl veröffentlichen? Ich habe keine Plattenspieler mehr! Das ist fast eine Aufforderung zum saugen aus dem Netz...
Pünktlich starteten
Sonne Hagal ihr Konzert. Bisher kannte ich sie nur aus der Konserve und war sehr positiv begeistert. Schöne Melodien und poetische Texte. Leider war die Sängerin stimmlich etwas schwach, was aber ein Problem der kompletten Neofolk-Szene ist. Noch ein Bier geholt und der (erste) Höhepunkt des Festivals betrat die Bühne. Der "dicke Tony"
Wakeford (Zitat Isa) mit
Sol Invictus. Ein paar Musiker sitzend auf der Bühne verzaubert die Halle mit nur wenigen Tönen, wo andere Show und Effekte brauchen. Wakeford erzählt von Herbsttagen und einsamen Momenten im Leben, aber auch den glücklichen Erlebnissen im Laufe eines Lebens.
Die Entscheidung dieses Abends ob Sol Invictus oder
Hocico war damit klar die richtige. Da der Abend schon spät und nett war, entschieden wir uns auch die letzte Band noch im Anker anzuschauen: Actus. Daher blieb uns das Fiasco
Visage erspart, denn da hätten wir nur bei Voll-Playback einen alten total besoffenen Typen sehen können, der seinen eigenen Auftritt nur im Delirim erlebte. Doch zurück zu Actus. Die Musik ist schwer zu beschreiben, irgendwo zwischen Ambient, Folk und Rock mit vielen mystischen Elementen und war gar nicht mal schlecht. Wirklich schlecht war aber auch hier wieder die Sängerin, die bis fast in uneträgliche Höhen "sang". In die CD werde ich aber noch mal reinhören.
Sonntag:
Kontrastprogramm ist angesagt. Gestern noch Anker und ruhige Töne, heute
Werk II und Industrial. Durch eine längere Shoppingtour in auf de Szenemesse in den Agra-Hallen hatten wir wieder die erste Band verpasst, daher eröffnete
SHNARPH für uns den Abend. Kannte ich bisher noch gar nicht, war aber sehr geil. Sauber, knackig hart. Der nächste Act war mein heimlicher Headliner
MS Gentur. Der brachte wenig Neues und so erinnerte mich das Set stark an den letzten Abend im
Ausweg (RIP), wo MS als Überraschungsgast war. Sein Set ging über in eine Jam-Session mit
Mono No Aware ganz nach dem Motto: Zeigst du mir deinen Noiseloop zeig ich dir meinen. (Ja auch Industrial Bands können Jammen)
Mono No Aware konnte auch überzeugen und man merkte ihm den Spaß beim Konzert wirklich an, der sich auch sofort im Publikum wieder spiegelte. Next Act on Stage:
XOTOX, kannte ich vorher auch nur von einigen wenigen Stücken. Definitiv die Band mit der besten Bühnenshow, was bei Industrialbands wirklich schwierig ist. Denn was kann man schon groß machen, wenn das Instrument nen Effektgerät ist? Videoprojektion macht eh schon jeder. Xotox machte daraus eine sehr kühle Mischung. Auf der Leinwand lief die Schlüsselszene aus
The Ring und als das Mädchen aus dem Brunnen kletterte, stieg ein Mädel im selben Look wie das personifizierte Grauen durch den Bühnennebel nach vorne und verteile Knicklichter im Publikum. Weiter ging es mit
Ah Cama-Sotz , was weiter wie in Trance Tanzen hieß.
Kiew stand als nächstes an, die fand ich aber sehr bescheiden, als ich sie das letzte Mal gesehen hatte. Daher beschlossen wir den Standort zu verlagern und ins
UT Connewitz zu gehen, das nur ein paar Meter die Strasse vom Werk II ist. Dort spielten am Abend Ritualbands wie
Herbst 9 und andere. Aber erstmal wurden wir von der Schlange vor dem Werk II überrascht. Da standen mehr Leute als zur Zeit in der Halle waren, an eine Rückkehr war also nicht zu denken. Schade um
Dive, aber ging nicht anders. Nur leider war es im UT nicht besser, denn auch hier stand eine unendlich lange Schlange. Was macht der Gruftie, wenn ihm nix mehr einfällt? Eben er fährt ins heidnische Dorf auf nen Met. Gesagt, getan und es war genau die richtige Entscheidung. Kaum hatten wir das Dorf betreten spielten
Faun auf der kleinen Bühne im Schein von Schwedenfeuern und Kerzen auf. Das konnte nur besser sein, als ihr Auftritt in der Agra-Halle am nächsten Tag (der auch wieder schlechten Sound hatte). Die fünf Musiker entführten einen in ferne mittelalterliche Welten und hatten selbst auch sichtbar Spaß an diesem Auftritt unter freiem Himmel, was eine lange Zugabe deutlich bewies. Bis zum Auftritt von
Human Leaguewaren es am Ende von Faun leider noch über 90 Minuten und das bei ungemütlichen Wetter. HL sollen aber einen sehr guten Gig geliefert haben nur leider ohne uns.
Schon der letzte Tag des WGT Montag:
Diesmal ging es Nachmittags erst in die Parkbühne und das bei Sonnenschein, der erste dieses Wochenende. Andrea Haugen alias
Nebelhexe (ex Hagalaz Runedance) entführte in die Welt der wilden Götter Skandinaviens und überzeugte mit ihrer Bühnenpräsenz. Während
NFD haben wir gegessen und daher haben wir den Gig nur gehört, nicht gesehen. NFD die Nachfolgeband von Fields of the Nephilim klingt wie Fields, macht Musik wie Fields.. nur haben sie nicht so viel Nebel und Mehl auf der Bühne. Gesättigt ging es wieder Richtung Innenraum, der sich mittlerweile mächtig gefüllt hatte:
Qntal spielten ihre Version mittelalterlicher Lieder in elektronischer Interpretation. Die Konzerte von Qntal kann man schwer beschreiben, man muß sie einfach erleben. Von dort aus ging es wieder in den Anker und wieder zu Neofolk. Erste Band des Abends dort für uns (ja, wieder die andere erste Band verpasst) war
Hekate, nach Sol Invictus mein zweites Neofolk Highlight. In etwas geänderter Besetzung, die nicht nur auf Lob stiess (beim Gesang) gab es eine schöne Mischung aus alt und neu. Eine Tibetfahne im Hintergrund, wieß darauf hin, daß das Konzert dem Volk von Tibet gewidmet war.
Mir komplett unbekannt war Voxus Imp. Heidnische Texte zu stark ritueller Musik mit einigen Samples. Strange, aber sehr spannend.
Novalis haben keinen bleibenden Eindruck bei hinterlassen. Netter Neofolk ohne Höhen oder Tiefen, was aber durchaus auch an der Menge der von mir gehörten Konzerte liegen kann.
Wiedermal stand die Entscheidung an: Durch die Stadt reisen zum Subway to Sally Konzert in der Agra oder noch auf die letzte Band im Anker und wieder fiel die Entscheidung für den Anker. Schlechte Wahl, denn
Ain Soph fand ich super schlecht (Frau Cynx haben sie gefallen). Italienische Rockmusik irgendwo zwischen Black Sabbath und Hawkwind, das aber sehr dilletantisch und nicht im geringsten psychodelisch. Wenn mir jemand gesagt hätte ich würde jemals auf nem WGT nen Country-Takt hören, ich hätte es nicht geglaubt. Noch einmal schlafen, packen und schon ging es wieder heim. Aber nächstes Jahr ist es wieder soweit, dann mit Jubiläum. 15 Jahre WGT!
Natürlich habe ich noch viel mehr gesehen und erlebt. Kleine Konzerte am Rande, die Jim Beam Luftgitarren Bühne (sic!), nette Gespräche...
Fazit: Ein WGT ohne echte Hochstimmung, aber dennoch schön, was mit Sicherheit auch am bescheidenen Wetter gelegen hat. Die Security war an den von uns besuchten Orten erfreuchlich locker und nett, was viel zur positiven Stimmung beigetragen hat. Die Orga war gut geregelt (bis auf den Pfingsboten), der Sound stimmte (da wo wir waren). Wieder mal viele gute andere Konzerte verpasst, aber so ist es halt das WGT