Der Titel ist ein Zitat von Angelo Bergamini, Kopf der Band
Kirlian Camera, und bezog sich auf die Kleingeistigkeit mancher Kritiker einen Musiker schnell abzustempeln. Bergamini ist mit Sicherheit auf Provokateur, dem kein Symbol heilig ist und an seiner Bild- wie Tonsprache kann an Anstoß nehmen. Genau das ist aber auch von ihm gewünscht, es soll nachgedacht werden. Music must hurt.
"Ich denke, jeder sollte bestimmte Themen besser kennenlernen, um zu verstehen, was in der Vergangenheit passiert ist und was die Quellen der neuen Welt sind. Ich denke, die Leute sollten mehr über alles informiert sein, aber das ist wohl eine läppische Illusion, solange versucht wird, alle Dinge mit einer Art Dogma zu versehen. Es gibt nicht nur eine Art Faschismus, das ist, als würde man sagen, Che Guevara und Pol Pot sind dasselbe, weil sie rot sind..."
Genau dieses Dogma ertönt aber zur Zeit in Jena. Nachdem vor kurzem erst das Sol Invictus Konzert des "dicken Tony" in Darmstadt rausgepöbelt worden war, trifft es nun einen Jugendclub in dem regelmässig Neofolk und Industrial Abende sind und Bands wie eben Kirlian Camera gespielt werden. Das der Veranstalter offen mit Polizei und Staatsschutz zusammenarbeitet reicht nicht aus, wer einmal mit brauner Scheiße beworfen wurde hat immer die schlechteren Karten. Rechtfertigt man sich, ist das für die Agitatoren der deutliche Beweis, daß man recht hatte. Ansonsten würde man sich ja nicht rechtfertigen und sich damit auf die Seite der braunen Brut stellen.
Den genauen Hintergrund kann man bei
Lichttaufe.com nachlesen. Der Artikel ist natürlich auch nicht rein objektiv und mit der Wut des Betroffenen geschrieben, versucht aber sehr umfassend zu informieren. Der Vergleich mit linken Bands die erlaubt sind, klingt für meine Ohren etwas nach Zeigefinger-Argumentation, denn es tut in diesem Zusammenhang gar nichts zur Sache, was andere Veranstaltungen machen. Insbesondere wird dadurch doch wieder eine politische Komponente eingefügt, die man eigentlich ablehnt. Neofolk ist Ästhetik, keine Agitation. Vor allem sollte die Stadt bedenken, daß Verbot nie eine Lösung ist. Denn so drängt man eine eigentlich unpolitische Subkultur in einen Bereich, wo sie nicht hingehört und sorgt dafür, daß beeinflußbare Gemüter vielleicht doch letztendlich die Kontakte bekommen, die man ihnen vorwirft.
Kirlian Camera - Eclipse 93