Ich habe ein neues Feindbild: Hobby-Radfahrer! Niemand kann besser mein Verlangen nach körperlicher Gewalt steigern, als diese Gruppe von Menschen. So auch gestern...
Der Kegelverein Sterzebach Süd hatte die gute Idee "man könnte doch mal Radfahren" und so zog eine Gruppe von Herren, alle um die 50, aus das Lahntal auf zwei Rädern zu erobern. Der Termin am Mittwoch bietet sich an, denn dann fällt die Nordic Walking Gruppe "Terroristen mit Stöcken" aus, weil der Werner sich den Knöchel verstaucht hat. Nicht beim walken, sondern auf'm Klo im Warsteiner Eck, aber Sportverletzung ist Sportverletung und man ist Kumpel genug, das Gruppenfeeling nicht alleine zu geniessen. Wichtig bei jedem Radausflug ist die Ausrüstung, denn ist man(n) als Radfahrer verkleidet, sieht man(n) noch mal so sportlich aus und vielleicht macht das auch Eindruck bei Uschi, der Bedienung im Warseiner Eck. Also wird der Bierbauch in eine enge Bikerleggins gezwängt und los geht es.
Nach zwei Kilometer ist es Zeit für eine kleine Pause, da Helmut ständig keucht und so richtig bequem ist die Radlerhose auch nicht. Als professionelle Sportler hat man das Recht über all zu pausieren, Jedermannsrecht der Radprofis! Der Ullrich pinkelt bei der Tour auch überall hin. Zu den möglichen Rastplätzen zählt auch der Radweg und die kleine Fünf-Personengruppe versperrt großzügig die Durchfahrt. Jeder soll sie bewundern in ihrem schicken Outfit den verschwitzen T-Shirts und natürlich den begnadeten Körpern.
Zu diesem Zeitpunkt komme ich ins Spiel und zwar auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Eine lange Gerade, ganz leicht abschüssig, Rückenwind, 24.ster Gang, Sepultura auf den Ohren = hohe Geschwindigkeit. Ich sehe das Hindernis in Form besagter Gruppe vor mir und wundere mich erstmal warum das Picknik nicht auf der Parkbank stattfindet, die direkt am Wegesrand steht.
Geklingelt ... Keine Reaktion.
Noch mal geklingelt ... immer noch keine Reaktion. Mittlerweile ist der Abstand so gering geworden, daß ich die Geschwindigkeit drosseln musste. Härtere Warnhinweise sind gesagt, meine leicht quietschende Hinterbremse wirkt dramatischer. Ah, die Herde ist aufgeschreckt und blickt verblüfft in meine Richtung. Man kann auch nicht davon ausgehen, daß auf dem Radweg Verkehr ist. Ich klingele noch mehr und endlich kommt Bewegung in die Herde, viel zu spät für mich, denn mittlerweile musste ich runtergeschaltet. Die Gruppe wackelt nach rechts und nach links, endlich löst sich der Knoten auf und es geht an den Wegesrand. Verblüfft stellen die Herdentiere fest, daß sie am Ende der Bewgung nicht mehr eine Herde sind. Zwei stehen auf der rechten Seite, drei auf der Linken. Einer aus der Zweiergruppe entscheidet sich dafür, dass die Seite mit der Mehrheit sicherer ist und wechselt rüber - also noch mal runterschalten und langsamer werden.
Endlich ein Lücke auf dem Weg, ich trete wieder an, doch weit gefehlt. Nachdem der einzelne Biker rechts wieder Hirnkapazität frei hat (weil Bewegung zu Ende) fällt ihm die Flasche in seiner Hand wieder ein, die seinem Kollegen auf der anderen Wegseite gehört. Die muß noch zu ihrem Besitzer zurück und zwar jetzt! So streckt sich ein langer Arm quer über den Radweg, um den Kollegen den rettenden Trank zu reichen... und ich bleibe mit blockierten Reifen nur ein kurzes Stück vor dem Arm(-Leuchter) stehen. Jetzt ist mir auch klar, warum solche Gruppen Radhelme tragen. Nicht wegen ihrer hohen Fahrtgeschwindigkeit, sondern um die Schläge der genervten Umwelt zu dämpfen. Um die Situation zu deeskalieren (ich kenn mich ja gut..) trete ich sofort wieder in Pedalen, bevor ich es mir anders überlege. Zum Dank bekomme ich noch ein "Rüpel" nachgerufen und die Radlerherde sortiert sich wieder mitten auf den Radweg, um ihre Pause fortzusetzen.