Manche Promo-CDs überraschen einen wirklich positiv. Das sind die Entdeckungen, die man sich niemals selbst gekauft hätte, weil sie nicht in das persönliche Genre passen und man sonst wohl auch kaum eine Hörprobe mitbekommen hätte. Dorfdisko ist so eine Entdeckung, nach anfänglichem Stirnrunzeln (Deutsch Pop / Rock ist normalerweise nicht meine erste Wahl), dreht sich die Scheibe jetzt häufiger im Player.
Die Infotexte der Plattenfirmen sind zwangsläufig voller vollmundiger Ankündigungen und Superlative, aber der Text der diese CD begleitete ist einfach lesenswert:
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Ein Gespräch vor einem halben Jahr hätte auch in engeren Musikliebhaberzirkeln wenig Erbauliches zutage gefördert. Dorfdisko? Da muss das Flash gemeint sein, das Goya, das Flip, das Alcatraz in Pinneberg, Sprockhövel oder Mömbris. Namen und Orte, die uns allen ein bißchen peinlich sind, Orte, an denen wir zum lokalen Kickerchampion gekürt wurden, bei „We will rock – Typen“ immer erst zweimal auf die Schenkel und dann in die Hände klatschten, Orte des Knutschens und der absurden Haarfrisur. Ein bißchen schön war's ja doch, wenn man so drüber nachdenkt.
Umso besser das jetzt, Mitte 2005, die Kölner Band Dorfdisko den Begriff von allen privaten Sentimentalitäten befreit und unserem Lieblingsabsturzschuppen nachträglich höhere Weihen verleiht. “Unterwegs“ hiess die EP, die im April ein mittelschweres Pressebeben auslöste und trotz aller negativen Grundvoraussetzungen (Nicht aus Berlin! Auf Deutsch! Es geht um Gefühle!) nahezu einhellig positives Feedback einfuhr. Peer (Gitarre), Marc (Schlagzeug), Volker (Bass) und Daniel (Gesang & Gitarre): Auf einmal legt sich eine Erwartungshaltung auf die Schultern einer Band, die noch vor eineinhalb Jahren nicht existierte. Wie immer geht es um die Rettung deutschsprachiger Rockmusik, um zeitgemäße Texte, um Haltung, um Positionen. Dorfdisko haben das Klügste getan, was einer Band unter Druck einfallen kann: Einfach da weitermachen, wo man aufgehört hatte, auf den Bauch hören, tolle Songs schreiben. So ist „Viel zu stürmisch, viel zu laut“ zu einem Album geworden, das locker und befreit Newcomercharme durch den Äther jagt und dabei eine Unmenge an Ideen präsentiert, die locker aus beiden Ärmeln zeitgleich geschüttelt werden."
Wer immer auch diesen Text geschrieben hat, ein ganz dickes Lob von mir. Denn er trifft genau den Ton des Silberlings, frei und ungezwungen ohne sich um Vorgaben zu kümmern. Musik für Sommer, Grillen, Baggersee zum Mitwippen und Spaß haben. Dass sie dann auch noch eben nicht klingen wie die x-te Silber-Juli Kopie ist das kleine Sahnehäubchen der Veröffentlichung. Bei aller Lockerheit kann man den Texten auch noch zu hören ohne unter dem "Sommer-Sonne-Lala-Syndrom" zu leiden. Es geht um Gefühle, Erlebnisse, intelligent ohne intellektuell zu sein.
Der Opener "Unterwegs" ist auch die erste Single-Auskopplung und auf der Webseite zum
Download als RM-Video erhältlich. Mein Anspiel-Tip und aus meiner Sicht die bessere Single-Auskopplung "Schreien wir zusammen".
DORFDISKO - „Viel zu stürmisch, viel zu laut“
VÖ: 25.07.2005
Katalog-Nr.: MOT00352
Label: Motor
Tourdaten:
30.06.2005 Cottbus Sound
08.07.2005 Linthe/ Brandenburg Yamaha Jubiläum
09.07.2005 Overath Rockcity Open Air
16.07.2005 Berlin MotorClub @Magnet
16.07.2005 Meschede Heimspiel Open Air 2005
22.07.2005 Saarbrücken Halberg Open Air
30.07.2005 Marbach Vollblut Open Air 2005
31.07.2005 B-St.Vith ALIVE Festival
27.08.2005 Schleswig Open Air
02.09.2005 Berlin Kalkscheune/ Das Institut
16.09.2005 Fulda Kulturkeller
21.09.2005 Jena Rosenkeller*
22.09.2005 Potsdam Waschhaus*
26.09.2005 Wiesbaden Schlachthof*
27.09.2005 Heidelberg Karlstorbahnhof*
29.09.2005 Ulm Roxy*
01.10.2005 Augsburg Lamm*
* mit Roman Fischer