Die Aufmachung verrät es schon, da kommt etwas besonderes ins Heim geflattert. Die neue Phillip Boa kommt nicht in einfacher Kunststoff-Hülle, sondern in einem schlichten Din A4 Folder. Trotz des Hinguckers ist die Botschaft klar, es geht um die Musik, denn mehr als die CD mit einem kurzen Waschzettel enthält der Folder nicht.
Seit nun mehr 20 Jahren ist Boa und der Voodooclub ein fester Bestandteil der deutschen Musikszene. Trotz dieser langen Geschichte ist er bei weitem nicht das beliebteste Kind der deutschen Rockfamilie. Viele wären froh, wenn er sich mit seiner unbequemen Art endlich in den Rockolymp zurückziehen würde und Ruhe gäbe, doch wieder einmal weit gefehlt. Mit "Decadence&Isolation" zeigt er allen Gitarrenrockern, warum er seit zwei Dekaden unerreicht ist. Sein Markenzeichen ist dabei gleich geblieben:
"Die Musik Boas ist beeinflusst von britischem Punk und New Wave, sie pendelt stilitisch zwischen Pop und Avantgarde. Durchgehendes Merkmal sind eingängige melodische Refrains, die von Stimmungswechseln durchbrochen oder verfremdet werden. Dabei stehen sich der hohe Gesang von Bandmitglied Pia Lund und die belegte Stimme Boas diametral gegenüber.", schreibt die
Wikipedia über Boa und genau so ist es auch auf dem neuen Silberling.
Das Arragement klingt (wie
angekündigt) transparenter als zu früheren Zeiten, weniger Bombast mehr Klarheit und Sauberkeit im Sound und den Arrangements. Massgeblich dafür ist eine Teamarbeit des Voodooclubs mit zwei Produzenten: Mit Gordon Raphael (u.a. The Strokes), der für seinen Minimalismus in Sachen Klang bekannt ist und Swen Meyer, der klanglich den modernen deutschen Gitarrenrock geprägt hat (Kettkar, Tomte), wurde zwei Top-Leute engagiert, die sich kreativ auf dem Boa-Sound austoben konnten. Mit diesem sehr gegensätzlichen Team konnte nur ein Desaster oder eine spannende Mischung entstehen und das Ergebnis kann sich hören lassen. Die erste Singleauskopplung "
Burn all the flags" gab genau den Einblick in die CD, die sie in jedem weiterem Song erfüllt. Wavige Melodien mit Refrains, die man nach dem ersten Mal mitsummt, krachige Gitarren und treibendes Schlagzeug. Da kommt schon fast etwas Sentimentalität auf die guten alten Wave und Punkzeiten auf, aber wenn man so modern "Retro" ist wie Boa darf man auch viel und gerne die 80er zitieren.
Artist: PHILLIP BOA & The Voodooclub
Titel: „Decadence And Isolation“
VÖ: 29.08.2005
Tonträger: CD-Album
Label: Motor
Vertrieb: Warner
Aufgenommen: Aug 29, 19:13