Was macht man, wenn man krank ist? Genau, man hängt doch irgendwie vor der Glotze ab, da mir selbst das dümmste Ballerspiel zu intellektuell war. Nach einer guten Ladung Shaka Zulu landete ich bei Maischberger, die den vielleicht bald Finanzminister Paul Kirchhof zu Gast hatte. Mir war vorher schon der Umgang gerade bei Schröder mit der Person Kirchhof recht negativ aufgestossen (selten schlechten Rethorik), so dass ich gespannt war was denn dieser Mann wirklich zu sagen hat und vor allem von ihm selbst.
Nach wenigen Minuten war klar: Es ist ein Idealist aus einem wissenschaftlichen Umfeld, der von dem dreckigen Geschäft Politik überrannt wurde. Es war schon fast niedlich anzusehen, wie er jede seiner zu vor heiß diskutierten Thesen darlegte und mit "warum fragt man mich denn nicht?" endete. Das ist ein Mann, dem es mehr um die Sache als um Parteipolitik geht und dem Meinungsgrabenkämpfe fremd sind, sofern sie nicht um eine Sache gehen.
Da geht endlich jemand in die Politik, der fachlich auf seinem Gebiet wirklich firm ist (ob man seine Ideen jetzt gut oder schlecht findet, sei dabei erstmal aussen vor) und vor allem neue Ideen hat und als Dank bekommt er Tiefschläge aus allen Richtungen, sogar aus den eigenen Reihen. Warscheinlich haben die restlichen Politiker nun Angst, daß ihre Kompetenz mehr ans Licht kommt.
Da wunderst es nicht wenn Fachleute wenig Interesse an Politik haben und ihre Ideen weiter theoretisch spinnen.
Natürlich vertritt Kirchhof eine Meinung, die diskussionswürdig ist. Da hat er auch gar nichts gegen und fordert auch die Diskussion. Aber bitte in der Sache, taktische Scharmützel und Wortklaubereien sind nicht sein Ding. Diskussionen bringen beide Seiten weiter, weil man neue Einsichten gewinnt. Gerade von Menschen, die nicht der gleichen Meinung sind.
Bevor man den Mann zerfetzt, kann ich empfehlen die Wiederholung zu sehen oder das
Interview bei der Zeit lesen.
Auch in der Zeit ist die
Gegenrede zum Kirchhofschen Steuervorschlag, der aber aus meiner Sicht zu dünn ist. Ich finde es schon Beweis genung, das ca. 85% der Weltpublikationen zum Thema Steuern auf Deutsch sind.
Wählen werde ich den guten Mann immer noch nicht, aber er hat meinen Respekt.