Chris schreibt in seinem Blog seit einiger Zeit eine kleine Artikelserie zum Thema Recherche im Genre Fantasy. Der
gestrige Eintrag listet eine Reihe von Grundüberlegung zum Setting der Welt auf, die auch jedem Rollenspieler bekannt sein werden. Was mir bei dieser Liste wieder aufgefallen ist, ist der Mißstand vieler Fantasy-Welten: Religion und das Wechselspiel mit der Kultur werden zwar erwähnt, spielen aber bis auf wenige Ausnahmen nur eine kleine Rolle in der Fantasywelt. Das finde ich zum einen sehr Schade und zum anderen auch "unrealistisch".
Schaut man sich in der Geschichte archaische Gesellschaften an, ist eines der zentralen Themen immer die Religion, die dort auch niemals als künstlich-philosophisches Gebilde gesehen wird, sondern als Teil des normalen Lebens. Der Begriff "Religion" ist in unseren Breiten auch erst mit der Missionierung aufgetreten, als ein zweiter Glaube in das Bewusstsein trat. Bis dahin sprach man einfach nur von "Sitte" im Sinne von Brauchtum.
In den meisten Fantasyromanen spielt Religion eine kleine Nebenrolle, die maximal bei einem Fluch des Helden Erwähnung findet oder wenn göttliche Heilung gefragt ist. Aber gerade dieses aktive göttliche Eingreifen in die Welt muss doch bei den Bewohner dafür sorgen, dass ihnen Atheismus vollkommen fremd ist. Dort gibt es Gottesbeweise und zwar deutlich öfter als die katholische Kirche Wunder bekannt gibt.
Meiner Meinung nach würde die Fantasywelt plastischer und fremder wirken, wenn die Protagonisten religiöse Riten hätten die zu ihrem Tagesablauf gehören, Tabus die nicht zu brechen sind oder Feiertage, die die Queste unterbrechen.
Löbliche Ausnahmen in Sachen Religion in der Fantasy ist zum Beispiel Katherine Kurzt Deryni Zyklus oder Prince of Nothing von R. Scott Bakker.